Martin-Niemöller-Stiftung

Artikel vom 2. 12. 2005

Sommercamp 2005: Gipfelsturm und stabile Seitenlage

Klettern und Erste Hilfe in Peremoha

Der gemeinsame Bau einer Kletterwand stand im Mittelpunkt des diesjährigen Sommercamps in Peremoha, das im Rahmen des Förderwettbewerbs „Junge Wege in Europa“ der Robert-Bosch-Stiftung gefördert wurde. Mit dabei: acht Teilnehmer/innen aus Deutschland und die Klettergruppe aus Peremoha.

Seit einem Jahr gibt es in Peremoha eine Klettergruppe, ins Leben gerufen von einem engagierten jungen Lehrer Alexeij Grischtschuk. Geklettert wird mit Hanfseilen an Bäumen und kleinen Erhebungen in der Gegend. Die Schüler sind mit Begeisterung dabei, und natürlich träumen sie von Karabinerhaken und richtigen Klettergurten.

Beste Voraussetzungen also für ein Sommerprojekt: eine feste Gruppe, ein freiwilliges Engagement und die Unterstützung durch die Institution Schule. So entstand die Idee, dieses Jahr in der Sporthalle eine Kletterwand zu bauen, verbunden mit Kletterkursen und einer Erste-Hilfe-Ausbildung. In gemeinsamen Gesprächen, bei Projektberatungen in Berlin und einem Vorbereitungstreffen in Peremoha wurde die technische Umsetzung geklärt und ein gemeinsames Programm erarbeitet. Dass darüber hinaus wieder sehr viel Geduld, Humor und  Improvisationstalent  notwendig sein würde, war allen klar. Und dass uns - wie immer - unsere ukrainischen Freunde in dieser Hinsicht haushoch überlegen sein werden.

Gemeinsame Arbeit  am Projekt und die Begegnung klappten zunächst vorzüglich. Die Deutschen waren begeistert vom zupackenden Engagement, Motivation, handwerklichen Geschicklichkeit und  Kreativität der ukrainischen Teilnehmer. Die wiederum genossen die heiter-entspannte Atmosphäre, das gleichberechtigte Miteinander von Teamern und Teilnehmern und die vielen neuen kreativen Ideen. Die größte Begeisterung löste der Bau einer „Malschaukel“ aus, mit der bäuchlings schwingend die großen Holzplatten farbig bepinselt wurden. Auch die Erste-Hilfe-Kurse liefen erfolgreich. Dass Erste Hilfe in Peremoha anders aussehen muss, als in einer westlichen Großstadt, war klar.  Zwischen grasenden Pferden, am Brunnen und unter Birnbäumen lernten die Teilnehmer,  welche Techniken, welche Materialien man benutzen kann, wenn man keinen perfekt ausgestatteten Erste-Hilfe-Koffer zur Hand hat. Und wie überall machten natürlich die künstlich geschminkten Wunden gruseligen Spaß; mit dem ernsten Hintergrund, die Angst vor Verletzungen zu nehmen.

Kurz, es lief alles – fast – perfekt. Warum der Bau der Kletterwand dann doch scheiterte, verstehen wir nicht. Es ging lediglich um einen Heizkörper, der versetzt werden musste – technisch kein Problem, Monteur und Werkzeug waren zur Stelle. Dennoch verhinderte dieselbe Schulleitung, die seit einem Jahr mit uns gemeinsam das Projekt vorbereitet hatte, die Versetzung des Heizkörpers und damit den Bau der Wand. Eine nachvollziehbare Erklärung gab es nicht. Und wir waren wieder einmal mit jener „anderen“ Ukraine konfrontiert, in der für uns unerklärliche Dinge passieren, deren Strukturen wir nicht durchschauen.

Nun lagern Holz und Baumaterial im Jugendzentrum der Kreisstadt, bis wir – hoffentlich im nächsten Sommer - es nochmals versuchen werden. Und wenn nicht in Peremoha, dann eben in der Kreisstadt. Auf jeden Fall aber zur freien Benutzung für die „Klettergruppe Peremoha“, denn es bleibt ihre Kletterwand, an der sie mitgebaut haben.

Fotos: Jana Röhler, Claudia Sievers

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