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Artikel vom 2. 10. 2005

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Von Wolfgang Thierse

Ingrid Rumpf, Wolfgang Thierse und Martin Stöhr

Ingrid Rumpf, Wolfgang Thierse und Martin Stöhr

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hielt anlässlich der Verleihung des "Julius-Rumpf-Preises" am 7. September 2001 in Potsdam/Hermannswerder folgende Rede:

"Vor wenigen Wochen war die Stadt Guben wieder in aller Munde - diesmal allerdings nicht aus ähnlich schrecklichem Anlass wie 1999, als dort der algerische Asylbewerber Farid Guenduol von Rechtsextremisten zu Tode gehetzt wurde. Nein, diesmal gab es gute Nachrichten aus Guben: Die von der Abschiebung bedrohte, zeitweise im Kirchenasyl lebende vietnamesische Familie Nguyen erhielt letztlich doch die Aufenthaltserlaubnis - vor allem wegen der großen, öffentlichen Unterstützung vieler Gubener Bürgerinnen und Bürger.
Auch wenn die Erteilung dieser Aufenthaltserlaubnis - ausländerrechtlich gesehen - ein Sonderfall ist, kann von dem Beispiel Signalwirkung ausgehen. Schließlich hat sich hier gezeigt, wie viel bürgerschaftliches Engagement bewegen kann, wie angeblich Unmögliches doch möglich wird, wenn die Politik durch Unterschriftensammlungen, durch den Einsatz der Kirche, durch die Berichterstattung der Medien aufgerüttelt wird. Ich hoffe sehr, dass der Fall Nguyen in dieser Hinsicht kein Einzelfall bleibt.
Wäre dieses große und ermutigende bürgerschaftliche Engagement eigentlich auch ohne den Tod von Farid Guenduol, ohne die anderen verabscheuenswürdigen Taten von Rechtsextremisten zustande gekommen? Zwar findet der Rechtsextremismus inzwischen in unserer Gesellschaft endlich mehr Beachtung und Widerstand - ohne damit allein schon besiegt zu sein. Im Gegenteil ist er aggressiver, gefährlicher denn je. Das belegen z.B. die über 1000 rechtsextremistischen Homepages im Internet, auf denen zu Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt aufgerufen wird. Dieses mediale Einfallstor in das Denken und Handeln gerade der jungen, internetbegeisterten Generation sollte möglichst schnell geschlossen werden. Aber warum muss in der demokratischen Zivilgesellschaft eigentlich immer erst Schlimmes oder Schlimmstes geschehen, ehe wir wach werden, Probleme und Gefahren erkennen und uns gegen sie engagieren?
Der

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