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Artikel vom 9. 3. 2006

Keinen Krieg gegen den Iran - für eine politische Lösung!

Aufruf bis 15. März unterschreiben

In der höchst gefährliche Entwicklung im Atomstreit mit dem Iran ist es mehr als angebracht, eine gemeinsame Initiative aus der Friedensbewegung zu starten. Die "Kooperation für den Frieden" und der "Bundesausschuss Friedensratschlag" werden deshalb eine gemeinsame Zeitungsanzeige schalten, die bis zum 15. März 2006 von Initiativen und Einzelpersonen unterschrieben werden kann. Die Martin-Niemöller-Stiftung unterstützt diesen Aufruf.

Liebe Freundinnen und Freunde,  liebe Kolleginnen und Kollegen, 
sehr geehrte Damen und Herren, 

die diplomatischen Aktivitäten, vor und hinter den Kulissen, um das  Thema des iranischen Atomprogramms können nicht verbergen, dass sie von  wichtigen Mächten wohl nur als Vorspiel einer neuen Ausweitung und  Eskalation des verhängnisvollen Kriegs im Mittleren Osten gedacht sind,  mit völlig unabsehbaren Konsequenzen.   

Eine nicht neue, aber nach wie vor gültige Erkenntnis der  Friedensbewegung ist, dass solch existenzielle Fragen nicht den  PolitikerInnen allein überlassen werden können, sondern gerade hier eine  deutlich wahrnehmbare Einmischung der BürgerInnen und ihrer Bewegungen  unverzichtbar ist. Wichtig ist uns, bei aller Pluralität unserer  Organisationen, Initiativen und persönlichen Sichtweisen an  entscheidenden Wegmarken gemeinsame Positionen zu formulieren und  deutlich wahrnehmbar an die Öffentlichkeit zu bringen. 
Wir haben in den letzten Wochen und Tagen Informationsveranstaltungen in  den Städten und Regionen initiiert, Appelle an die zentral beteiligten  Regierungen und an den UN-Generalsekretär verfasst und übermittelt und  haben begonnen, die Bundestagsabgeordneten mit unseren kritischen Fragen  zu konfrontieren. 
Als eine weitere zentrale, überregional wahrnehmbare Willensbekundung  gegen die drohende Eskalation und für eine zivile Lösung der  internationalen Krise legen wir Euch/Ihnen im Anhang einen bereits von  einigen prominenten KriegsgegnerInnen unterstützten Aufruf vor, den wir  als Appell an die Bundesregierung in der ersten Märzhälfte vor dem  Aktionstag 18.03. in der Frankfurter Rundschau in Form einer gemeinsamen  Annonce der Kooperation für den Frieden und des Bundesausschusses  Friedensratschlag veröffentlichen wollen.   

Hierzu bitten wir um Ihre und Eure Unterschrift und finanzielle  Unterstützung, sei es als Organisation, als Friedensgruppe oder als  Einzelperson bis zum 15. März! per  E-Mail an: iranaufruf@koop-frieden.de  oder an: mailto:frieden-und-zukunft@t-online.de   

Freundliche Grüße 
Matthias Jochheim (Kooperation für den Frieden) 
Mani Stenner (Netzwerk Friedenskooperative)
Dr. Peter Strutynski (Bundesausschuss Friedensratschlag)   

 

Aufruftext:   

Keinen Krieg gegen den Iran - für eine politische Lösung!   

Die USA scheinen entschlossen, gegen den Iran einen Luftkrieg zu führen.  Diesmal könnte es Washington gelingen, die EU vor ihren Kriegskarren zu  spannen, wenn sich nicht die Bürgerinnen und Bürger dagegen zur Wehr  setzen. Wir lehnen mit aller Entschiedenheit einen neuen Krieg ab.  Selbst wenn Teheran Atomwaffen anstrebte, die wir ebenso ablehnen,  könnte der Iran auf absehbare Zeit niemanden mit Atomwaffen bedrohen,  ungeachtet aller verbaler Attacken des iranischen Präsidenten  Ahmadinedschad, die wir scharf verurteilen. Eine friedliche politische  Lösung ist also durchaus möglich. 

Die Vereinigten Staaten nutzen jedoch die iranischen Atomanlagen nur als  Anlass für viel weiter reichende Ziele:  

-          Der Iran soll zu einer unbedeutenden Macht zurückgebombt werden, um  Amerikas Vormachtstellung im Mittleren Osten weiter auszubauen. Deshalb  ist zu befürchten, dass außer Atomanlagen auch die Infrastruktur des  Landes, wie 1991 im Irak, wichtige Versorgungseinrichtungen wie  Ölraffinerien und militärische Ziele bombardiert werden sollen.   

-      Durch Chaos und Zusammenbruch der Versorgung sollen Revolten der  iranischen Bevölkerung mit all ihren ethnischen Minderheiten provoziert  und das Islamische Regime durch ein US-freundliches ersetzt werden.  Nachdem sie in Afghanistan und Irak militärisch präsent sind, zielen die  USA auf die vollständige Kontrolle der Ölquellen und Transportrouten im  gesamten Mittleren Osten.   

Die US-Regierung scheut wegen eigener Hegemonialinteressen nicht davor  zurück, den Weltfrieden zu gefährden und einen Flächenbrand in der  Region zu riskieren. Ein Krieg gegen Iran hätte fatale Konsequenzen  nicht nur für die Völker im Mittleren und Nahen Osten, sondern auch für  Europa. Neue ethnische Konflikte, Bürgerkrieg zwischen Sunniten und  Schiiten im Irak, Verwicklung Saudi-Arabiens und Syriens sind sehr  wahrscheinlich. Es muss auch mit der Blockade der Öltransportrouten und  rasant steigenden Ölpreisen gerechnet werden. Nur Arbeitslosigkeit und  Attentate hätten Konjunktur.   

Nach den vielen Lügen Washingtons zur Rechtfertigung des Angriffskrieges  gegen den Irak braucht die US-Regierung für einen Krieg gegen Iran die  moralische Legitimation, wenn nicht gar die Unterstützung der  EU-Staaten. Diese Legitimation und Unterstützung darf es nicht geben!   

Wir rufen daher Alle auf, sich mit Demonstrationen, Kundgebungen und  Resolutionen gegen den geplanten Angriffskrieg der USA zu wehren. Wir,  als ein Teil des weltweiten Protestes, wenden uns auch gegen die Drohung  mit Krieg als dem sogenannten "letzten Mittel". Krieg ist der große  Terror. Wir wollen jedoch Deeskalation, Nichtangriffsgarantien und  Gewaltverzicht.   

Von der Bundesregierung und der Bundeskanzlerin fordern wir mit Nachdruck:  

-          Unterlassen Sie jegliche Droheskalation, die unweigerlich in einen  Krieg einmündet. Schließen Sie jede deutsche Unterstützung für einen  Krieg gegen den Iran und erst recht eine deutsche Beteiligung daran  unmissverständlich und grundsätzlich aus. Setzen Sie sich auch innerhalb  der EU hierfür ein.   

-         Treten Sie ein für die Bildung einer Langzeit-Konferenz für Sicherheit  und regionale Zusammenarbeit im Mittleren und Nahen Osten, die auch das  Ziel verfolgt, dort - wie in der IAEO-Resolution vom 04.02.2006  hervorgehoben - eine Atomwaffenfreie Zone zu errichten, die Israel  einschließt. Unternehmen Sie dafür schon jetzt erste Schritte.   

-         Treten Sie dafür ein, dass Atomwaffenstaaten ihre Verpflichtung zur  Abrüstung ihrer Atomarsenale gemäß Artikel VI des Nuklearen  Nichtverbreitungsvertrags endlich erfüllen.

ErstunterzeichnerInnen: 

Aachener Friedenspreis e.V., Franz Alt, Bundesausschuss  Friedensratschlag, Andreas Buro, Angelika Claussen, Hans-Peter Dürr,  Ulrich Gottstein, Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges  - Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW - dt. Sektion, der  Vorstand), Heiko Kauffmann, Kooperation für den Frieden, Mohssen  Massarrat, Oskar Negt, Netzwerk Friedenskooperative, Bernhard Nolz,  Horst-Eberhard Richter, Horst Schmitthenner, Hans Christoph von Sponeck,  Mani Stenner, Peter Strutynski, Frank Uhe, Reinhard Voss, Peter Wahl,  Konstantin Wecker.   

Presserechtlich verantwortlich:
Andreas Buro / Mohssen Massarrat   

Ich/wir unterzeichne/n den Aufruf "Keinen Krieg gegen Iran - für eine  politische Lösung!" und bin/sind mit der Veröffentlichung einverstanden.  (Vorname und Name, Ort; bzw. Name der Organisation)   

Unterschriften mit Beteiligung an den Kosten für die Veröffentlichung  als Zeitungsanzeige (Einzelpersonen mind. 20,- EUR;  Gruppen/Organisationen mind. 50,- EUR) bitte senden an:    Kooperation für den Frieden, c/o Netzwerk Friedenskooperative, Römerstr.  88, 53111 Bonn, Tel. 0228/692904, Fax: 0228/692906, per E-Mail an:  iranaufruf@koop-frieden.de  Konto: Förderverein Frieden e.V. Konto-Nr. 33035 bei Sparkasse Bonn (BLZ  380 500 00), Stichwort: Iranaufruf    oder an:    Friedens- und Zukunftswerkstatt e.V., Konto-Nummer 2000 81 390, bei  Frankfurter Sparkasse 1822 (BLZ: 500 502 01). Stichwort: "Iran-Anzeige".  e-mail an: mailto:frieden-und-zukunft@t-online.de  

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