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Artikel vom 17. 9. 2005

Biographie

Vom U-Boot zur Kanzel zur Protestdemonstration: Stationen aus dem Leben Martin Niemöllers

1892
geb. am 14. Januar in Lippstadt/Westfalen, Vater Pfarrer, Elternhaus ebenso christlich-sozial wie deutschnational 
1900
Familie zieht nach Elberfeld um
1910
Abitur mit Auszeichnung, Seekadett der Kaiserlichen Marine
1912
Leutnant zur See, Niemöllers Spitzname „Der rote Leutnant“
1915
Freiwillig zur U-Boot-Flotte
1917
Niemöllers U-Boot bedroht im Hafen von Dakar den Dampfer, der Albert Schweitzer nach Europa in Quarantäne bringen soll - Schweitzer wird später sein Freund und, nach 1945, Mitstreiter im Kampf um die nukleare Abrüstung; Verlobung mit Else Bremer
1918
Niemöller wird Kommandant eines U-Boots, bei den Engländern gilt er als „Schrecken von Malta“
1919
Niemöller verweigert den Befehl, U-Boote als Reparation nach England zu überführen und verlässt die Marine; Heirat und Überlegung, nach Südamerika auszuwandern; Aufnahme des Theologie-Studiums
1920
Freikorps-Kommandant im Kampf gegen die aufständischen Ruhrarbeiter
1924
Ordination zum Pfarrer; Landesgeschäftsführer der Inneren Mission
1929
Fraktionsvorsitzender der „Evangelischen Vereinigung“, einer örtlichen Wählergemeinschaft, im Stadtparlament von  Münster/Westfalen
1931
Gemeindepfarrer in Berlin-Dahlem
1933
Mitarbeiter im Kirchenbundesamt; aus Protest gegen die Einführung des „Arier-Paragrafen“ ins evangelische Kirchenrecht ruft Niemöller zur Gründung des „Pfarrernotbunds“ auf, aus dem die Bekennende Kirche hervorgeht
1934
Während einer Audienz widerspricht Niemöller Adolf Hitler, der den Pfarrern eine Verantwortung für weltliche Angelegenheiten des deutschen Volkes absprechen will; eine Woche später Predigtverbot, über das Niemöller sich hinwegsetzt; im Herbst erscheint sein Erinnerungsbuch „Vom U-Boot zur Kanzel“, das eine verkaufte Auflage von mehr als 90.000 erreicht
1937
1. Juli: Verhaftung und Überführung ins Untersuchungsgefängnis Moabit
1938
2. März: der Prozess endet mit Freispruch; Hitler desavouiert die Justiz und erklärt Niemöller zu seinem persönlichen Gefangenen, am selben Tag Einlieferung ins Konzentrationslager Sachsenhausen
1945
Abtransport zur befohlenen Ermordung nach Tirol, Befreiung durch US-Truppen, Internierungen in Neapel, Paris und Wiesbaden; mit einem dreitägigen Hungerstreik setzt Niemöller Freilassung und Rückkehr zur Familie nach Leoni/Starnberger See durch; als Delegierter des Reichsbruderrats programmatische Rede zur Neuordnung der Kirche auf der Konferenz evangelischer Kirchenführer; im Oktober wird Niemöller stellvertretender Ratsvorsitzender und Präsident des Kirchlichen Außenamtes; 19.Oktober: Mitunterzeichner des „Stuttgarter Schuldbekenntnisses“ Stuttgarter Schulderklärung der ev. Kirche
1946
Teilnahme an Sitzung des Weltkirchenrats in Genf, Vortragsreise durch die USA; Versuche, im beginnenden Kalten Krieg Dialoge in Gang zu bringen
1947
Reisen nach Norwegen und Dänemark; Berufung zum Präsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN); 8. August: Mitunterzeichner des „Darmstädter Wortes“
1948
Reisen nach Schweden und England, 1. Vollversammlung des Weltkirchenrats in Amsterdam
1949
Reisen nach Irland, Australien und Neuseeland; die Synode der EKD wählt Niemöller nicht wieder zum  stellvertretenden Ratspräsidenten; in einem Interview zum Korea-Krieg sagt Niemöller: „Die Bundesrepublik ist in Rom gezeugt und in Washington geboren!“
1950
Bei einem EKD-Empfang Auseinandersetzung mit Adenauer über die Folgen der Aufrüstung; Wiederwahl als Kirchenpräsident
1951
Predigt- und Vortragsreise in die DDR und Jugoslawien
1952
Auf Einladung des Patriarchen Alexius erste, zehntägige Reise nach Moskau; Reise nach Indien
1953
Auf der Tagung des Weltfriedensrates in Budapest sagt Niemöller: „Wer den Frieden will, muss die Verständigung mit dem Gegner wollen!“
1954
Reise in die CSSR; Präsident der 1892 von Alfred Hermann Fried, Friedensnobelpreisträger, gegründeten Deutschen Friedensgesellschaft; Gespräch in Wiesbaden mit Otto Hahn, Werner Heisenberg und Carl von Weizsäcker über die möglichen Folgen eines Kriegs mit Wasserstoffbomben, seitdem Atompazifist
1956
Niemöller wird als Leiter des Kirchlichen Außenamts abgesetzt
1957
Kampf gegen den Militärseelsorgevertrag
1958
Reise nach Polen; Wiederwahl als Kirchenpräsident; 1. Ostermarsch nach Aldermaston/England
1959
Am 25. Januar die berühmte „Kasseler Rede“ mit der Feststellung, die Ausbildung von Soldaten im Atomzeitalter sei Ausbildung zum Massenmord; Franz Josef Strauß erstattet Strafanzeige, die Staatsanwaltschaft lehnt eine Anklageerhebung ab
1961
Bei einem Autounfall in Dänemark werden Ehefrau Else und Haushälterin Dora Schulz getötet, Niemöller überlebt schwerverletzt; in Neu-Delhi Wahl zu einem der sechs Präsidenten des Weltkirchenrats
1962
Begegnung mit Nehru in Indien
1963
Niemöller wird Ehrenmitglied des Stamms der Poncas-Indianer
1964
Nach 17 Jahren legt Niemöller sein Amt als Kirchenpräsident nieder
1965
Besuch bei Albert Schweitzer in Lambarene; Reise nach Nordvietnam und Begegnung mit Ho Tschi Minh
1967
Ehrenpräsident des Weltfriedensrates
1972
verschiedene Initiativen zur Einberufung einer Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE)
1973
Bei der Vietnam-Demonstration in Bonn erklärt Niemöller: „Die USA müssen auf Heller und Pfennig bezahlen, was sie an materiellen Schäden angerichtet haben!“
1974
Gründung des Komitees für Frieden, Abrüstung und Zusammenarbeit
1975
Teilnehmer der Vollversammlung des Weltkirchenrats in Nairobi
1976
Ehrenpräsident der deutschen Friedensgesellschaft, die mit der Vereinigung der Kriegsdienstverweigerer zur DFG/VK fusioniert
1977
Gründung der Martin-Niemöller-Stiftung in Wiesbaden
1978
Kampf gegen Pläne, die Neutronenbombe einzuführen 1979
Teilnahme an einer antifaschistischen Demonstration in Straßburg und am Protestmarsch durch Brüssel gegen den NATO-Doppelbeschluss
1980
Mitinitiator des „Krefelder Appells“ gegen die Stationierung von nuklearen Mittelstreckenraketen und Marschflugkörpern in der BRD
1981
letzte Predigt in der Lutherkirche Wiesbaden
1982
Festveranstaltung für Martin Niemöller zum 90. Geburtstag in der Frankfurter Paulskirche und Kolloquium in der Evang. Akademie Arnoldshain; Niemöller nimmt zum letzten Mal an einem Kolloquium der Niemöller-Stiftung in Frankfurt teil, zusammen mit dem ehemaligen Botschafter der UdSSR, Valentin Falin
1983
Der Friedensnobelpreisträger Linus Pauling besucht Niemöller in dessen Haus in Wiesbaden
1984
Am 6. März stirbt Martin Niemöller im Alter von 92 Jahren - Helmut Gollwitzer: „Er war bis zu den letzten Tagen von wunderbarer geistiger Präsenz und ungetrübter Erinnerungskraft!“

 

 

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