Artikel vom 1. 9. 2010
Die Gräber sind nicht vergessen
Ein Gedenkort für Peremoha
Bald wird hier eine Skulptur an die Toten erinnern.
Vor zwei Jahren lud die Martin-Niemöller-Stiftung eine Gruppe von neun alten Menschen aus dem ukrainischen Dorf Peremoha nach Alt-Madlitz ein, wohin sie in ihrer Jugend zur Zwangsarbeit deportiert wurden.
Karl-Heinz Baum schrieb damals im Rheinischen Merkur:
Die Gäste möchten den Friedhof sehen. Dort haben sie drei aus ihrer Gruppe begraben, zwei Frauen – eine starb an Entkräftung, die andere bei der Geburt ihres Kindes – und einen kranken 13-Jährigen. „Ich will nicht in der Fremde sterben“, habe er gefleht, erinnert sich Maria Gliten. Die Frauen gehen in eine Ecke des Friedhofs nahe dem Abfallcontainer. „Hier haben wir sie begraben.“ Darauf deutet nichts hin. Die Ukrainer stellen sich in einen Kreis und beten das Vaterunser.
Martin Stöhr, Vorsitzender der Martin-Niemöller-Stiftung, der die Gruppe begleitet, sichert zu, er werde sich für einen Gedenkstein für die damals Verstorbenen einsetzen.
Maria Krasnozhon erzählte Anfang 2009 in Peremoha über ihre Erinnerungen an den Tod ihrer Mutter in Alt-Madlitz. Sie war damals 19, ihre kleine Schwester 5 Jahre alt:
"Wir kamen 1943 in Alt-Madlitz an, und meine Mutter starb noch in demselben Jahr. Sie ist an der Lunge erkrankt. Zu Hause hätte man es noch behandeln können, aber so nicht. Sie wurde für die Küche eingeteilt und musste Kartoffeln schälen. Es war kalt, und es gab es nichts zum Essen. Und so ist sie gestorben. Drei Tage lang lag sie tot in der Baracke. Über einen Arzt hat keiner gesprochen, auch nicht für die Schwangere, die an einem Abend sehr starke Wehen hatte. Ich weinte, als der Verwalter sagte, dass man sie in einen Graben werfen sollte. Wir alle weinten viel und flehten ihn an, sie wie einen Menschen zu beerdigen. Dann sgte ich zur Dolmetscherin: „Mein Gott, bitte, lassen Sie sie in einem Sarg unter der Erde bringen!“ Die Dolmetscherin flehte den erwalter an. Sie nahm Nadja, mein kleines Schwesterchen, auf den Arm und weinte sehr viel. Und so wurde dann doch ein Sarg angefertigt und sie wurde hineingelegt. Der Verwalter ordnete dann an, meine Mutter hinter dem Friedhof zu beerdigen.
Später starben noch mehr Menschen, zum Beispiel ein Junge und eine Frau. Sie hatte eine Frühgeburt und starb gleich danach. Petro Beschowetz war der Junge, der als nächster nach meiner Mutter starb. Er hatte Knochen-Tuberkulose. Seine Beine waren krumm und seine ganzen Knochen haben wehgetan. Sein Tod war sehr quälend. Er war etwa 12 Jahre alt.
Meine Mutter wurde als erste hinter dem Friedhof beerdigt; später wurden alle dort beerdigt, auch die Frau, die nach der Geburt starb. Sie hieß Uljana Doroschenko. Sie war ungefähr 40 Jahre alt und starb ungefähr ein Jahr nach meiner Mutter. Das Kind hat, glaube ich noch gelebt und ist erst später verstorben.
Als wir weg gingen, habe ich noch meine Mutter am Friedhof besucht und mich verabschiedet. Ich dachte, dass ich meine Mutter nicht mehr besuchen kommen kann. Sonst sind wir jedes Wochenende zum Grab gekommen. Der Vater hat aus einer Akazie ein Holzkreuz gemacht und aufgestellt."
Am 9. Oktober 2010 ist es endlich so weit. Der Fürstenwalder Künstler Friedrich Stachat hat eine Holzskulptur entworfen, die an jener Stelle an die Toten erinnern soll, an der sie damals begraben wurden. Zur Einweihung wurden Angehörige der Verstorbenen eingeladen, der Pfarrer von Peremoha und die Bürgermeisterin.
Bitte unterstützen Sie den Gedenkort mit Ihrer Spende:
Martin-Niemöller-Stiftung e.V.Kto. Nr. 4151604 BLZ 500 100 60Verwendungszweck: Skulptur für Peremoha
Den Artikel im rheinischen Merkur können Sie hier nachlesen:
http://martin-niemoeller-stiftung.de/1/peremoha/erinnerung/a136



Peremoha
Erinnerung
Julius-Rumpf-Stiftung



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